Wie wird eine Marke zur Lovebrand?

Vor einigen Wochen erschien im Fachmedium „absatzwirtschaft“ ein Beitrag von Niels Verlemann, Co-Gründer der Agentur The Fritten. Er beschrieb darin, wie er während seines Zivildienstes in einem Seniorenwohnheim zum ersten Mal mit dem Katalog von Engelbert Strauss in Berührung kam und in seinem damaligen Arbeitsumfeld eine Markenbindung beobachten konnte, die sich schließlich auch auf ihn übertrug, und die bis heute anhält. Sein Fazit: Strauss ist für ihn inzwischen viel mehr als ein Hersteller von Arbeitskleidung. Es ist eine Lovebrand von ihm. Wobei er damit offenbar nicht allein ist. Kurz nach der Lektüre dieses Beitrags erzählte uns nämlich ein Entscheider aus der Baubranche ganz beiläufig von einem Mitarbeiter, der mit großem Nachdruck darauf bestanden hatte, dass seine arbeitsvertraglich zustehenden Arbeitsschuhe unbedingt von Strauss sein müssen. Nicht von irgendeiner Marke. Sondern von Strauss. Der Lovebrand des Mitarbeiters.

Zwei Erzählungen, ein Thema: Strauss ist offenbar eine Lovebrand.

Das ist super für Strauss. Allerdings ist der Begriff „Lovebrand“ ja nicht unbedingt eindeutig. Klären wir doch deshalb zunächst einmal die Frage: 

Was ist eine Lovebrand überhaupt?

Kurz gefasst beschreibt dieser Begriff Marken, die bei ihrer Zielgruppe eine überdurchschnittlich hohe emotionale Bindung erzeugen; und zwar weit über eine rationale Produktpräferenz hinaus. Markenforscherin Silvia Knobloch-Westerwick und andere Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von „Brand Love” als messbarem psychologischen Konstrukt: Nutzer empfinden gegenüber solchen Marken Zuneigung, Loyalität und eine Art Identifikation.

Wichtig dabei: Nicht jede beliebte Marke ist automatisch eine Lovebrand. Der Unterschied liegt in der Tiefe der Bindung. Eine Lovebrand wird nicht nur bevorzugt, sie wird vermisst, wenn sie fehlt, und verteidigt, wenn sie kritisiert wird.

Studien des Marktforschungsinstituts Kantar zeigen, dass Marken mit hoher emotionaler Bindung im Schnitt eine bis zu dreimal höhere Preisbereitschaft bei ihren Kernzielgruppen erzielen als funktional vergleichbare Wettbewerber. Und laut einer Analyse von Bain & Company steigert eine Erhöhung der Kundenbindungsrate um nur 5 Prozent den Unternehmensgewinn um 25 bis 95 Prozent. Lovebrands sind also kein romantisches Marketingkonzept, sondern ein handfester Wettbewerbsvorteil.

Und wie entsteht nun eine so intensive Form der Markenbindung?

Fünf Faktoren scheinen besonders relevant zu sein:

Lovebrands wissen offenbar genau, wofür sie stehen (wollen) und zeigen das auch konsequent. Nicht nur im Logo, nicht nur in der Werbung, sondern an jedem Kontaktpunkt: Produkt, Verpackung, Sprache, Service, Auftritt. Gerade Strauss ist dafür ein gutes Beispiel. Die Marke hat sich vom Arbeitskleidungshersteller zur markigen Outfit-Marke entwickelt, mit Partnerschaften in E-Sports und NFL, ohne dabei ihren Kern zu verlieren. Das Handwerk bleibt Herzstück, die Haltung bleibt erkennbar. Forschungsergebnisse von System1 und dem britischen IPA (Institute of Practitioners in Advertising, 2024) belegen: Konsistent geführte Marken erzielen signifikant stärkere Marken- und Saleseffekte als inkonsistente. Konsistenz ist kein Kreativitätskiller, sondern ein Effizienzverstärker. 
 
Praxistipp: Definieren Sie Ihre Markenkernwerte schriftlich und überprüfen Sie regelmäßig, ob alle Kommunikationskanäle von der Website bis zum Angebot diese Werte tatsächlich widerspiegeln.

Lovebrands lösen echte Probleme oder bereichern reale Lebenssituationen. Sie sind nicht nur präsent, wenn jemand kauft, sondern Teil des Alltags. Der Strauss-Katalog im Keller des Seniorenwohnheims war kein Werbemittel, sondern ein Werkzeug. Er half Hausmeistern und Gärtnern, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Diese funktionale Relevanz ist die Basis, auf der emotionale Bindung entstehen kann. Laut einer Studie von Havas Media (Meaningful Brands, 2023) würden 75 Prozent der Konsumenten es nicht vermissen, wenn 74 Prozent aller Marken verschwänden. Der Umkehrschluss ist eindeutig: Nur Marken, die wirklich relevant sind, hinterlassen eine Lücke. 
 
Praxistipp: Fragen Sie sich nicht nur, was Ihre Marke anbietet, sondern wann, wo und warum Menschen sie wirklich brauchen. Relevanz entsteht aus dem Verständnis echter Nutzungssituationen.

Marken, die Menschen berühren, erzählen Geschichten. Nicht über sich selbst, sondern über die Menschen, die sie nutzen. Niels Verlemann beschreibt in seinem absatzwirtschaft-Beitrag keine Produkteigenschaften. Er beschreibt eine Lebensphase, eine Gemeinschaft, eine Erkenntnis. Strauss ist dabei der Rahmen, aber die Geschichte gehört ihm. Neurowissenschaftliche Forschung, unter anderem von Paul Zak an der Claremont Graduate University, zeigt: Geschichten aktivieren Oxytocin im Gehirn, das sogenannte Bindungshormon. Marken, die Geschichten erzählen, die Menschen als ihre eigenen empfinden, erzeugen messbar stärkere emotionale Reaktionen als Marken, die nur Produktvorteile kommunizieren. 
 
Praxistipp: Sammeln Sie echte Geschichten aus Ihrem Kundenumfeld. Keine klassischen Testimonials, sondern Momente, in denen Ihre Marke wirklich einen Unterschied gemacht hat. Diese Geschichten sind Ihr stärkstes Kommunikationsmittel. 

Lovebrands schaffen ein Wir-Gefühl. Wer sie trägt, nutzt oder empfiehlt, signalisiert damit etwas über sich selbst und gehört zu einer Gruppe von Menschen mit ähnlichen Werten. Strauss ist hier vergleichbar mit Carhartt in den USA: Workwear, die über Subkulturen zur kulturellen Marke wurde. Das Tragen der Marke ist ein Signal: Ich kann was, ich mache was, ich halte den Laden am Laufen. Marktforschungsdaten von Nielsen (2023) zeigen, dass 92 Prozent der Konsumenten Empfehlungen aus ihrem persönlichen Umfeld mehr vertrauen als jeder Form von Werbung. Community ist damit nicht nur ein Bindungsfaktor, sondern der wirksamste Verbreitungskanal überhaupt. 
 
Praxistipp: Überlegen Sie, welche Gemeinschaft Ihre Marke repräsentiert oder ansprechen kann. Wer sind die Menschen, die Ihre Marke nicht nur kaufen, sondern weiterempfehlen, und warum tun sie das? 

Lovebrands enttäuschen (im Idealfall) nicht. Sie liefern immer wieder, zuverlässig, auf dem Niveau, das ihre Zielgruppe erwartet. Und sie zeigen Haltung: gegenüber ihren Mitarbeitern, ihrer Region, ihrer Gesellschaft. Strauss engagiert sich rund um seinen Hauptsitz nahe Frankfurt mit Arbeitsplätzen, Infrastruktur und gesellschaftlichen Angeboten. Die Marke endet hier nicht beim Produkt, sondern wirkt in der Region und Gesellschaft. Das Edelman Trust Barometer (2024) zeigt: 81 Prozent der Konsumenten weltweit geben an, dass Vertrauen in eine Marke eine entscheidende Voraussetzung für den Kauf ist. Vertrauen entsteht nicht durch Versprechen, sondern durch wiederholte, konsistente Erfahrungen. 

Praxistipp: Überprüfen Sie, ob Ihre Marke das hält, was sie verspricht, an jedem Kontaktpunkt und in jeder Situation. Verlässlichkeit ist die Grundlage, auf der Vertrauen und Bindung entstehen können. 

Und was bedeutet das nun für Ihre Marke?

Lovebrands entstehen nicht durch ein einzelnes Kampagnenhighlight oder einen viralen Moment. Sie entstehen durch konsequente Arbeit an Haltung, Relevanz, Erlebnis, Gemeinschaft und Verlässlichkeit, und zwar über lange Zeit. Der Mitarbeiter aus der Baubranche, der auf seine Strauss-Schuhe besteht, ist weder Zufall noch Einzelfall. Er bzw. sein Verhalten sind das Ergebnis jahrelanger, konsequenter Markenarbeit und das beste Argument dafür, warum es sich lohnt, in starke Marken zu investieren.

Die gute Nachricht: Lovebrands sind kein Privileg großer Konzerne. Auch mittelständische Unternehmen können echte Markenbindung aufbauen, wenn sie wissen, wie.

Wir bei BM1 helfen Ihnen dabei, genau das zu entwickeln: eine Marke, die nicht nur bekannt ist, sondern wirklich gewollt wird. Lassen Sie uns darüber sprechen, wie das bei Ihnen funktionieren kann. Jetzt kostenfreies Erstgespräch vereinbaren.

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